Entgegen der weitverbreiteten öffentlichen Meinung gab es in Stuttgart nicht nur Proteste gegen Stuttgart 21 sondern auch FÜR Stuttgart 21. Als im Sommer 2010 die Proteste gegen Stuttgart 21 immer stärker wurden, formierte sich auch eine organisierte Befürworter-Bewegung.
Prolog 1988:
Das Projekt Stuttgart 21 entstand, entgegen der weitverbreiteten öffentlichen Meinung nicht erst 1994, sondern im Zuge vielen Jahrzehnten an Überlegungen, Planungen und Diskussionen zur Streckenführung einer neuen Schnellbahntrasse Stuttgart-Augsburg-München.
Hierbei sprach sich bereits 1988 bereits eine Bürgerinititative FÜR einen Tiefbahnhof in Stuttgart aus: Diese Bürger kämpften gegen eine Neubaustrecke durch das Filstal, die sogenannte Filstaltrasse. Eine der Alternativen war die von Professor Heimerl vorgeschlagene Trassenführung entlang der A8 die in einen neuen Tiefbahnhof in Stuttgart enden sollte.
Jubel 1994:
Bei der offiziellen Vorstellung des Projektes Stutgart 21 titelte die Stuttgarter Zeitung am 19. April 1994 "Vielstimmiger Jubel für das 'Jahrhundertprojekt'
Eskalation 2010:
Als im Jahr 2010 die ersten Bauarbeiten starteten, gingen nicht nur zehntausende Menschen auf die Straße, es gab auch massiven Behinderungen der Bauarbeiten. Viel schlimmer war jedoch, dass diese Proteste die Stadt spalteten. Während in der öffentlichen Wahrnehmung rund um Stuttgart 21 die Projektgegner dominierten, stellten viel Bürger in ihrem persönlichen Umfeld fest, dass es bei weitem nicht so viele Gegner gab, wie man anhand der öffentlichen Berichterstattung meinen könnte. Es gab aber auch immer mehr Bürger, denen diese Spaltung zu weit ging und angesichts der massiven Eskalation der Proteste im Spätsommer 2010 entstand eine eigene "PRO S21" Bewegegung.
Wir möchten hier einen kurzen Überblick über die Entstehung dieser wenig bekannten Bewegung geben:
August 2010 - Gründungstreffen der Interessengemeinschaft Bürger für Stuttgart 21
Auf dem Stuttgarter Weindorf 2010 trafen sich eine Gruppe von 30 Stuttgarter Bürgern, die das Bahnprojekte befürworteten, um zu diskutieren wie man der medialen Übermacht der Projekt-Gegner begegnen könne. Sie beschlossen die Gründung des Vereins IG Bürger für Stuttgart 21
August 2010 - Die digitale Keimzelle: Facebook-Gruppe „Für Stuttgart 21!“ (1)
Während auf der Straße die Proteste der Gegner zunahmen, sammelten sich Befürworter zunächst im Internet.
Die Facebook-Seite „Für Stuttgart 21!“ wuchs rapide auf tausende Mitglieder. Diese Gruppe war das erste strategische Zentrum der Befürworter: Hier wurden bautechnische Argumente gesammelt, Newsletter organisiert und die Teilnehmer systematisch auf den Schritt aus der digitalen in die reale Welt vorbereitet.September 2010 - Laufen FÜR Stuttgart 21
Aus einer spontanen Idee bei einem Lauf von Freunden, entwickelte sich die Bewegung "Laufen FÜR Stuttgart21". Ideengeber und Organisator war der Canstatter Christian List. Am 09. September 2010 trafen sich spontan über 100 ufer, Fahrradfahrer und Inliner um durch den Schlossgarten zum Marktplatz zu laufen oder zu fahren.
Aus diesem ersten Lauf wurde als erlebbares Gegengewicht zu den statischen Sitzblockaden der Projektgegner eine wöchentlichen „Lauf-Demos“ etabliert. Immer donnerstags trafen sich Befürworter, um gemeinsam durch den Schlossgarten zu joggen, zu radeln oder inlineskaten und sich anschließend bei einer Kundgebrung auf dem Markplatz zu treffen. Auf dem Höhepunkt nahmen hier bis zu 5.000 Menschen teil.September 2010 - Bürgerinitiative "ProSIT"
Der Stuttgarter Pfarrer Johannes Bräuchle gründet im September 2010 die Initiative „ProSIT“. Erschrocken über das "reund-Feind-Denken" wollte er zur Deeskalation beitragen und erreichen das sich Gegener und Befürworter wieder auf Augenhöhe begegnen.
September 2010 Gründung des Bündnis "Wir sind Stuttgart21"
Die Initiativen "IG Bürger für Stuttgart 21", "Laufen für Stuttgart 21" und "ProSIT“ gründen das Bündnis "Wir sind Stuttgart21" Das Bündnis bildete das bürgerliche Gegengewicht zum „Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21“ (Kopfbahnhof 21) und warb für die verkehrlichen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Chancen des neuen Tiefbahnhof. Das Bündnis vertrat die Pro-Stuttgart-21-Seite bei den bekannten, von Heiner Geißler geleiteten Schlichtungsrunden im Herbst 2010.
23. Oktober 2010 - erste große „Pro-S21“ Großkundgebung
Unter dem Motto „Wir sind Stuttgart 21!“ versammelten sich über zehntausend Menschen zur ersten PRO Stuttgart 21 Großdemonstration auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Die bürgerliche Befürworter-Szene zeigte hier erstmals massive physische Präsenz im Zentrum der Stadt - parallel zur Großdemonstration der S21 Gegner.
27. August 2011 - erste große „Pro-S21“ Großkundgebung
Um die heiße Phase vor der anstehenden Volksabstimmung einzuläuten, gab es die zweite (und letzte) große klassische Demonstration der Befürworter auf dem Schlossplatz
27. August 2011 - erste große „Pro-S21“ Großkundgebung (1)
Um die heiße Phase vor der anstehenden Volksabstimmung einzuläuten, gab es die zweite (und letzte) große klassische Demonstration der Befürworter auf dem Schlossplatz
Herbst 2011 - aus "IG Bürger für Stuttgart 21" wird die "IG Bürger für Baden-Württemberg e.V."
Im Herbst 2011 beschließt die IG Bürger sich neu auszurichten und ihre Aktivitäten auf die Gestaltung der freiwerdenden Gleisflächen zu fokusieren
